Sonntag, 21. Juni 2026

 

Quelle SURprise

Gustavo Surgik - Violine

Meike Brandenbusch - Violine 

Ana Helena Surgik - Violoncello

Bernd Schöpflin - Kontrabass

Mittwoch, 24. Juni 2026
Kammermusik mit südamerikanischem Feuer
MUSIKKULTUR

 Von Haydn bis zum Tango und Samba reichte das Spektrum beim Ensemble „Quelle Surprise“ zum Saisonfinale der Kammerkonzerte. Es war ein Konzert voller Überraschungen.

 

Von Roswitha Frey 
 
EFRINGEN-KIRCHEN 

 Obwohl die Hitze eher ins Schwimmbad oder in den schattigen Garten lockte, kamen viele Zuhörerinnen und Zuhörer zum Saisonabschluss der Kammerkonzerte Efringen-Kirchen. Der Auftritt des Ensembles „Quelle Surprise“ in der Alten Schule erwies sich als wunderbare musikalische Sommer-Erfrischung. Das Quartett hatte nicht nur Klassisches, sondern auch brasilianische Klänge und manche Überraschungen mitgebracht. 

Die von Organisator Walter Kösters angekündigte Trinkpause, bei der Wasser zur Verfügung gestellt wurde, machte die Temperaturen zudem erträglicher. Ungewöhnlich war das Konzert durch die spezielle Besetzung mit zwei Violinen, Cello und Kontrabass – anders als gängige Streichquartette und eher selten anzutreffen. Von daher gibt es auch kaum Originalliteratur für diese Formation. 

Der Geiger Gustavo Surgik vom Stuttgarter Staatsorchester, die Geigerin Meike Brandenbusch aus Ludwigsburg, die Cellistin Ana Helena Surgik und der Kontrabassist Bernd Schöpflin, beide aus Lörrach, haben für ihre besondere Formation rare Originalwerke ausfindig gemacht. Das Ensemble entstand aus dem Orchester der Ludwigsburger Schlossfestspiele, wie Bassist Schöpflin in seiner Moderation erzählte. 

Das Programm eröffnete Joseph Haydns Divertimento C-Dur, eine charmante Kammermusik, die durch die prominent hervortretenden tiefen Streicher eine raffinierte Note erhält. Voller Leichtigkeit, mit tänzerischem Schwung, dynamischem Bogenstrich und Esprit im Presto und Menuetten. Die Adagio-Passagen gestaltete das Ensemble einfühlsam und kantabel. Das Publikum hörte ein wunderbar inspiriertes Haydn-Spiel – fein gewoben, unbeschwert, mit Spielwitz und eleganter Gelöstheit. 

Ebenfalls original für diese Besetzung ist die zweite Sonate aus den sechs Streichersonaten von Gioachino Rossini, die dieser in seiner Jugend komponiert hat, als „Wunderkind-Komponist“, wie ihn Surgik bezeichnete. Die melodisch reizvolle Sonate lässt noch die Vorbilder Haydn und Mozart durchklingen, offenbart aber bereits die Leidenschaft und das Genießen in vollen Zügen, die den späteren Großmeister der Belcanto-Oper auszeichneten. Das Ensemble widmete sich mit Klangsinn und sprühender Vitalität den Allegro-Sätzen, mit melodischer Intensität dem Mittelsatz. Diese Rossini-Interpretation hatte Elan und überschäumendes Temperament, wobei Gustavo Surgik immer wieder virtuos herausragte. 

Das Ensemble spürt gern Stücke auf, die selten im Konzertsaal erklingen. Hingebungsvoll und schwelgerisch spielten sie Jacob Gades Tango Jalousie von 1925 mit Gespür für das Klangsinnliche und Sehnsuchtsvolle. Da Gustavo Surgik und seine Schwester Ana Helena Surgik aus Brasilien stammen, fand sich auch brasilianische Musik im Programm. Die Danca Brasileira von Camargo Guarnieri, eine Samba, klang energievoll aufgeladen und voller rhythmischer Raffinesse. Auch bei „Tico-Tico“, ein brasilianischer Choro von Zequinha de Abreu von 1917, ließ kaum jemanden stillsitzen. Mit hitzigem Temperament, rasanter Verve und perkussiv klingenden Col-legno-Effekten spielte das Quartett diesen berühmten Gassenhauer mit großer musikalischer Präzision. 

Eine ganz andere Welt eröffnete sich im Satz Melancolia aus Heitor Villa-Lobos´ Streichquartett Nr. 1. Hier durchzog das Zusammenspiel der Streicher. Mit elegischen Klang, erfüllt von Wärme, Tiefe und seelenvoller Klangempfindung, war dieser Satz pure Emotion. 

Atmosphärisch fing das Ensemble die Stimmung in „Manha de Carnaval“ ein, einem Bossa Nova von Luiz Bonfá aus dem Film „Orfeo Negro“. Das Stück beschreibt den Morgen des Karnevals vor dem großen Fest. Hinreißend geriet die Interpretation, mit hingebungsvoll gezupftem Bass. Ein nostalgischer Tango Argentino machte den Abschluss: Carlos Gardels „Por una Cabeza“ von 1935. Das Quartett verwandelte den Konzertsaal in eine „Tango Bar“ mit echtem Tango-Feeling, schwelgerischem Klang voller Intensität und Sentiment. In der Zugabe erklang noch ein spritzig gespielter Satz aus Rossinis vierter Streichersonate. Danach klang dieses unterhaltsame Saisonfinale im kühlen Keller bei Wasser, Wein und Käse gesellig aus.

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