Sonntag, 23. Oktober 2022, 17.00 Uhr Alte Schule - Saal

Nerion - Quartett Hiroshima

Werke von V. Ullmann, G. Puccini, L.v. Beethoven …

 

 

 Edler Klang mit wichtigem Anliegen


Am Sonntag startete die neue Konzertsaison der Kammerkonzerte in Efringen-Kirchen mit einem für die Ohren sehr sinnlichem Konzert. Das Nerion Streichquartett - Hiroshima spielte Werke von Ullmann, Puccini, Beethoven und traditionelle Lieder und Tänze Japans in einem Arrangement des Cellisten Martin Stanzeleit.


Das Konzert mit dem Nerion Quartett: Ryo Mikami und Misato Miyazaki Violinen, Akino Arno Viola und Martin Stanzeleit Violoncello hatte eine lange Vorgeschichte.

Bereits 2020 wollte das Japanisch/deutsche Quartett eine Deutschlandtournee machen, was durch die Corona Pandemie verhindert wurde. 2021 war dieses Projekt ebenfalls noch nicht möglich, doch in diesem Jahr konnte das Konzert nun in Efringen stattfinden.


Martin Stanzeleit, seit über 20 Jahren wohnhaft in Hiroshima führte zu Beginn durch das Programm. Der Name Hiroshima ist seit dem Atombombenabwurf am Ende des 2. Weltkrieges mit diesem schrecklichen Ereignis verbunden. Die MusikerInnen wollen mit ihrem Spiel ein Gegenüber schaffen. Die Schönheit der Kunst der Musik möge im Zentrum des Bewusstseins rücken, ja sie verstehen sich durchaus als Friedensstifter.


Das Programm war auch dementsprechend gewählt. das III. Streichquartett von Viktor Ullmann wurde in Theresienstadt komponiert und steht ebenfalls für eine Zeit des Krieges und Leides. Ullmanns Musik wechselt zwischen weichen ja fast romantischen Gesten hin zu schroff und kraftvollen Ausbrüchen. Theresienstadt war das KZ, in welchem der Welt eine Normalität vorgespielt werden sollte, die es nicht gab. Ullmann bringt dieses Gefühl in sarkastischen Motiven vor Allem im 2. Satz zum Ausdruck.

 

Mit dem Trauerstück Stück Crisantemi von Giacomo Puccini wollten das Quartett Vitor Ullmann, der in Ausschwitz ermordet wurde, gedenken. Dieser Trauermarsch von Puccini wurde zum Tode des Herzogs von Savoyen 1890 komponiert. Die in Italien typische Blume der Trauer - die Chrysantheme - gab dem Stück ihren Namen. Der klangliche Kontrast zum ersten Quartett war groß und man hielt inne.


Vor der Pause führte das Nerion Quartett das Publikum musikalisch durch die Jahreszeiten Japans. Martin Stanzeleit arrangierte japanische Lieder und Tänze passend zu den Jahreszeiten aus verschiedenen Provinzen Japans. Diese traditionellen Weisen sehr genial für ein Streichquartett bearbeitet, entführte das Quartett die Hörerinnen und Hörer in das wunderschöne Land der aufgehenden Sonne.


Nach der Pause erklang mit dem „Harfenquartett“ von Ludwig van Beethoven ein gar nicht so oft gespieltes Quartett dieses großen Komponisten. Auch in diesem Werk brillierte das Ensemble mit vollendeter Technik und immer wieder betörendem Klangsinn. Alle Instrumente verschmolzen ineinander und die MusikerInnen verstanden sich wie blind. Übergänge und Ablösungen waren so selbstverständlich, dass man Freude hatte den Stimmen zu folgen.


Es war eine Sternstunde der Kammermusik - gerne immer wieder neue! Die Idee etwas Frieden zu vermitteln ging auf. Das Publikum ging angetan und dankbar nach Hause. Natürlich nicht ohne eine Zugabe, welche eine bekannte japanische Filmmusik war, die total fetzig durch den Saal der Alten Schule huschte.
EL

 

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