Sonntag, 24. Oktober 2021, 17.00 Uhr Alte Schule - Saal

 

Eine Spanierin in Köln

Mari Ángeles del Valle – Saxophon

Konstantin Zvyagin - Klavier

Werke von: M. de Falla, P. Hindemith, R. Schumann u.a.

Mari Ángeles del Valle, Saxophon und Konstantin Zvyagin, Klavier

 

 

Efringen-Kirchen

Heiße Rhythmen aus Spanien

Weiler Zeitung,  26.10.2021 

 

Von Jürgen Scharf

Efringen-Kirchen

 

Ein schöner Spätsommerabend mit einer Spanierin aus Köln – das waren doch gute Vorzeichen für einen in jeder Hinsicht hocherfreulichen Neustart der Kammerkonzerte Efringen-Kirchen am Sonntag in der Alten Schule.

Das Programm war wie zugeschnitten für die Freunde iberischer Musik, aber nicht nur. Als weitere Programm-Attraktionen hatte die junge Saxofonistin Mari Angeles del Valle Casado noch deutsches Repertoire im Notengepäck, weil sie ihr Instrument in möglichst vielen Facetten zum Einsatz bringen wollte.

 

Als Andalusierin aus Sevilla gelingt ihr eine besonders authentische Annäherung an die typisch spanische Innenwelt eines Manuel de Falla. So leuchten die „Sieben Canciones populares“ in der Saxofonbearbeitung sehr klangsinnlich. Schöner kann man die volksliedhaften Gesänge, die im Repertoire berühmter spanischer Sängerinnen waren, auf dem Saxofon nicht „singen“. Der Satz „Asturiana“ bekommt in dieser Instrumentalversion eine Anmutung von nächtlicher Impression, Tanzlieder wie „Jota“ etwas Glühendes.

 

Auch de Fallas „Serenata Andaluza“, ein eigentliches Klavierstück, gewinnt noch durch die Melodiestimme des Saxofons und wird zu einem Hymnus auf Andalusien. Casado spielt auch die Oberstimme in Isaac Albeniz’ Klavierstück „Sevilla“ aus der Suite Espanola mit farbiger, lebhafter und leichter Artikulation samt der passenden iberischen Herbheit, Atmosphäre und Lyrik.

 

Spätestens jetzt muss der Pianist genannt werden, Konstantin Zvyagin, der nicht nur bestens assistierte, sondern, wo nötig, wie in „Polo“ im Liederzyklus von de Falla auch perkussiv zulangt. Diese interpretatorischen Qualitäten des Duos ließen Bestes erwarten für die Kompositionen eines Paul Hindemith oder Erwin Schulhoff. Und tatsächlich erfassten sie den Geist dieser Musik.

 

Werk für Viola wird zur mitreißenden Saxofon-Konzertmusik

Inzwischen kann man Hindemiths ursprüngliche Bratschensonate op. 11 Nr.4 auch oft mit Saxofon hören: ein monumentales, durchkomponiertes Werk, das von der Saxofonistin ereignishaft gespielt wird, mit einem solchen Impetus, dass sich dieses Werk für Viola in eine mitreißende Saxofon-Konzertmusik verwandelt.

 

Wie sich die beiden Interpreten dann in Schulhoffs bekannter „Hot Sonata“ für Saxofon und Klavier der Gegenwärtigkeit des Jazzidioms überlassen, war ebenso hörenswert. Mit Vitalität und rhythmischem Drive wird diese Auseinandersetzung mit dem Jazz aus der Zeit der „heißen Rhythmen“ zu Beginn der 1930er Jahre klanglich realisiert. Dabei gelingt es Casado und Zvyagin in dieser schillernden und changierenden Musik, die disparaten Elemente von Jazz, Swing, klassischer Sonatenform, punktierten Rhythmen und motorischer Begleitung zu einer klanglich faszinierenden Synthese zu verbinden.

 

So wurde es ein Abend mit vielfältigen Einblicken in ganz verschiedene musikalische Landschaften, in die die Interpreten jeweils zum Wesenskern der unterschiedlichen Tonsprachen durchdrangen.

 

Das Publikum, die Veranstalter und nicht zuletzt die Künstler waren glücklich, dass der zwei Mal verschobene Termin endlich nachgeholt werden konnte und damit eine lange Durststrecke ohne Musik endete.

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